Aus Prinzip gemeinsam: Vortrag von Kerstin Kirsch bei „vhw & friends“
Die Reihe „vhw & friends“ des Bundesverbands für Wohnen und Stadtenwicklung stellt Fragen zur Stadt von morgen. Unsere Vorständin Kerstin Kirsch war zu Gast und brachte eine Perspektive mit, die auf mehr als einem Jahrhundert genossenschaftlicher Erfahrung basiert. Ihr Thema war die Rolle der Genossenschaft in Zeiten, die Orientierung suchen.
Im Vortrag „Von 1886 bis heute: Was Genossenschaft kann, wenn Politik nicht mehr weiß, wie es weitergeht“ erläuterte Kerstin Kirsch das Genossenschaftsprinzip als ein funktionierendes Modell des Miteinanders. Sie betonte, dass es keine nostalgische Erinnerung ist, sondern eine Praxis, die sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg im Alltag bewährt hat und bis heute Orientierung bietet.


Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie genossenschaftliches Engagement heute aktiviert und weiterentwickelt werden kann. Reale und ideelle Werte pflegen, Verantwortung teilen, Haltung zeigen und die gemeinsame Sache immer wieder neu anstoßen. Gemeinschaft entsteht dort, wo sie organisiert wird und kontinuierlich im Leben der Mitglieder stattfindet.
Als Leitfrage rückte ein Thema in den Vordergrund, das viele Städte beschäftigt: Welchen Platz nimmt gemeinschaftliches Handeln in einer Zeit ein, in der das individuelle „Ich“ oft das kollektive „Wir“ dominieren. Die Diskussion zeigte, dass Genossenschaft in dieser Debatte einen relevanten Beitrag leisten kann.
Vielen Dank an den vhw für das Forum und den gemeinsamen Austausch!
Gute Taten brauchen einen Rahmen
Wie bringt man Menschen dazu, Verantwortung zu übernehmen – für ihre Nachbarschaft, ihre Stadt, ihre Umwelt? Ute Schäfer, Leiterin Kundenmanagement der BSR Berliner Stadtreinigung und Gutschafterin unserer Initiative, ist überzeugt: Es braucht sichtbare Beispiele und gemeinsames Handeln. Im gemeinsamen Gespräch spricht sie über den neuen Zero Waste Award, über die Initiative „140 Jahre bbg. 140 gute Taten.“ und über die besondere Rolle der Genossenschaften.

Frau Schäfer, Sie arbeiten für ein kommunales Unternehmen mit großer Verantwortung für Berlin. Wie schauen Sie auf Genossenschaften?
Genossenschaften haben eine tiefe Verwurzelung in ihrer Region. Das ist etwas sehr Schönes. Sie bestimmen ihren Kurs selbst und halten langfristig zusammen. Sie fördern Gemeinschaft nicht nur im Wohnraum, sondern im Leben der Menschen. Das macht sie zu besonderen und gleichzeitig sehr professionellen Akteuren. Diese Haltung ist in der Öffentlichkeit spürbar. Man geht davon aus, dass man fair behandelt wird. Das ist ein Vertrauensvorschuss, den man sich erarbeitet hat.
Welche Rolle nehmen Genossenschaften in der Stadtentwicklung ein?
Mein Eindruck ist, dass Politik und Stadtgesellschaft stärker erkennen, welche Bedeutung sie haben. Genossenschaften übernehmen Verantwortung, sie gestalten und bewegen Dinge. Viele entwickeln eigene Identität, Visionen und setzen diese auch um. Selbstbewusst und partnerschaftlich. Das finde ich sehr bemerkenswert.
Wie erleben Sie die bbg?
Als große und sehr engagierte Genossenschaft. Die bbg gehört für mich zu den Akteuren, die mitdenken und vorangehen. Es gibt dort einen klaren Antrieb, ein eigenes Profil als Genossenschaft zu entwickeln und Themen aktiv zu setzen. Das spürt man. Wir erleben die Zusammenarbeit mit der bbg als konstruktiv, offen und sehr professionell.
Die Initiative „140 Jahre bbg. 140 gute Taten.“ passt genau zu diesem Verständnis. Viele kleine, konkrete Beispiele sichtbar zu machen und damit gemeinschaftliches Handeln zu stärken, ist ein Ansatz, den ich sehr schätze. Solche Initiativen geben Orientierung, motivieren Menschen und zeigen, was im Alltag möglich ist. Das ist ein starker Impuls für die Stadt und ein schönes Zeichen dafür, wie Genossenschaften wirken können.
Sie haben kürzlich den Zero Waste Award initiiert. Was ist die Idee dahinter?
Der Zero Waste Award soll kleine, gute Beispiele zeigen. Dinge, die Menschen ganz selbstverständlich tun. Wir haben dieses Jahr die Premiere des Awards und bereits weit über hundert Einreichungen. Für uns ist es aber auch sehr wichtig, die Projekte auch nach der Preisverleihung sichtbar zu halten. Es geht um Multiplikation, nicht nur um eine einzelne Veranstaltung.
Wie reagieren Menschen auf das Thema Zero Waste?
Ehrlich gesagt konnte unser Umfeld am Anfang wenig damit anfangen. Dann haben unsere Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb erklärt, was dahintersteckt. Man sieht daran, wie wichtig Kommunikation ist. Begriffe werden nicht automatisch verstanden. Wir müssen darüber sprechen und dranbleiben. 158 Einreichungen, die wir inzwischen haben, zeigen dass miteinander sprechen und Motivieren erfolgreich ist.
Warum engagiert sich die BSR für weniger Abfall, obwohl Sie Abfall sammeln?
Weil es unsere Zukunft ist. Stellen wir uns Berlin ohne Müll vor, mit vollständig funktionierender Wiederverwendung. Wenn wir als BSR in dieser Welt eine Rolle spielen wollen, bereiten wir uns heute darauf vor. Re-Use, Recyclingströme, neue Geschäftsfelder. Wir können das und wir wollen das.
Ein Blick auf Berlin. Wie hat sich das Müllaufkommen entwickelt?
Berlin wächst und wir bekommen mehr Einwohner. Gleichzeitig steigt die Müllmenge nicht im gleichen Tempo. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Sie zeigt, dass sich etwas bewegt.
Was wünschen Sie sich für Berlin?
Ein friedvolles Miteinander. Und eine Stadt, mit der die Menschen sorgsam umgehen. Mit unseren vielen Fahrzeugen und fleißigen Mitarbeitenden allein können wir Berlin nicht gepflegt und sauber halten. Dazu braucht es alle Berlinerinnen und Berliner, jeden von uns. Achtung vor dem öffentlichen Raum ist entscheidend. Von der Zigarettenkippe bis zum Sperrmüll. Wer hier lebt oder die Stadt besucht, trägt Verantwortung.
Gut geflitzt: E-Bikes für Hauswarte
Die Wohnanlagen der bbg sind weitläufig und unsere Hauswarte sind viel unterwegs. Mit den E-Bikes kommen sie bequem durch die Wohnanlagen und bewegen sich schnell von Ort zu Ort. Die Räder sind längst Teil ihres Alltags und haben nun eine neue bbg-Beklebung bekommen – ganz im frischen Look der bbg.
Die E-Bikes gehören fest in den Tagesablauf unserer Hauswarte. Sie machen Wege kürzer, bringen Tempo hinein, ohne Stress zu erzeugen und sorgen dafür, dass man entspannt von Hof zu Hof kommt. Die Räder sind klein, wendig, praktisch und sie helfen dabei, im Quartier nachhaltig unterwegs zu sein.

Mit der neuen Beklebung tragen die E-Bikes nun klar die frischen bbg-Farben. Sie wurden auch gereinigt und technisch gewartet.
Durch die verkürzten Wege bleibt mehr Zeit für die Dinge, die den Alltag der Hauswarte und unserer Mitglieder in den Wohnanlagen

ausmachen. Eine unserer 140 guten Taten für Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass in den Anlagen weiterhin alles gut rollt.

Über Berlin flog ein Storch, und in Steglitz kam mitten in der Nacht ein kleines Mädchen zur Welt.
Während die Eltern ins Krankenhaus eilten, waren Familie und Freundeskreis verreist und niemand konnte auf das andere Kind aufpassen. Zum Glück war die Nachbarin Julia da.
„Unsere Tochter kam mitten in der Nacht zur Welt. Julia war sofort da. Sie hat unseren damals zweijährigen Sohn liebevoll ins Bett gebracht, bei ihm gelegen, bis er eingeschlafen ist, und blieb bis vier Uhr morgens, damit wir ganz in Ruhe im Krankenhaus sein konnten“, erzählt unser Mitglied Herr Olcay Duran.
„Und das war nicht das letzte Mal. Auch wenn wir ins Kino gehen oder einfach mal Luft brauchen, ist
Julia da. In unserer kleinen Steglitzer Nachbarschaft halten wir auch sonst zusammen: Bücher werden getauscht, Sommer- und Glühweinfeste gefeiert, wir kommen bei gemeinsamen Abendessen zusammen, und die Kinder sind ebenfalls befreundet.“
Danke, liebe Julia, und danke an alle, die unsere Genossenschaft zu einem guten Zuhause machen. Diese Gemeinschaft ist Gold wert.
Gute Früchte: Im Gemeinschaftsgarten der Brentanostraße wird gepflanzt und gepflückt
In der Brentanostraße blüht nicht nur der Garten sondern auch die Nachbarschaft! Vor 11 Jahren wurde der Gemeinschaftsgarten gemeinsam mit der bbg und den Mitgliedern im Haus neugestaltet, mit einem gemütlichen Sitzplatz und ganz viel Herz.
Elf Jahre gibt es ihn schon: den Gemeinschaftsgarten in unserer Wohnanlage in der Brentanostraße. Seitdem sorgt Frau Berninger dafür, dass hier immer alles grünt, wächst und lebt, obwohl sie selbst einen wunderschönen Balkon hat!

Ob Frühstück im Garten, Geburtstagsfeier vom Nachwuchs der jungen Familie oder Glühweintrinken im Winter, hier trifft man sich, lacht, redet und genießt die Gemeinschaft.
Frau Berninger liegt das genossenschaftliche Wohnen sehr am Herzen, im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie ein Buch über gemeinschaftliches Wohnen in Europa initiiert.

Ihr Wunsch? Dass auch viele junge Menschen die Möglichkeit haben zu entdecken, wie schön gemeinschaftliches Wohnen sein kann.
Während unseres Gesprächs gab’s Pastéis de Nata, dafür ein ganz herzliches Dankeschön.

Wenn alle an einem Strang ziehen: Sanierung in der Mudrastraße
In der Mudrastraße hat sich in den letzten Jahren viel getan. Schritt für Schritt wurde saniert, verbessert und vorbereitet auf die kommenden Jahrzehnte. Für Zufriedenheit. Für Energieeffizienz. Für gutes Wohnen im Kiez.
Photovoltaik für Mieterstrom. Strangsanierung. Neue Fenster. Barrierefreie Eingänge. Neues Pflaster. Schickes Grün.

Und zuletzt Wandbemalungen an den Fassaden, die Geschichten der Nachbarschaft und der Natur aufgreifen.

Manche Arbeiten waren sehr sichtbar, andere weniger. Und ja, für ein paar Monate mussten einzelne Haushalte in Ausweichwohnungen ziehen. Das hat funktioniert, weil alle buchstäblich wie im übertragenen Sinne an einem Strang mitgezogen haben. Vielen Dank dafür!


Heute steht die Wohnanlage stärker da. Energietechnisch, baulich und fürs tägliche Ankommen. Und sie sieht auch noch gut aus.

Im Video erzählen Menschen aus der Mudrastraße und aus unserem Team, wie dieser Weg war – mit Jens Kahl und Kerstin Kirsch vom Vorstand der bbg, Peter Steidl und Detlef Kleemann als Mitgliedervertreter sowie der Künstlerin Vikunia, die die Fassaden bearbeitet hat und zuvor mit vielen Bewohnerinnen und Bewohnern über ihre Wünsche gesprochen hat:
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