bbg-berliner-baugenossenschaft-malereibetrieb-marotzke

Berufsbezeichnung: Macher.

Eine App organisiert Materialbestellungen, KI entlastet das Büro. Gestrichen wird trotzdem noch von Hand. Nicola Marotzke, Prokurist und Gesellschafter des gleichnamigen Malereibetriebs, spricht mit uns über ein Handwerk zwischen Tradition und Technik, über zukunftsfestes Handwerk und darüber, weshalb Weiß in Berlin kaum Konkurrenz zu fürchten hat.

Der Malereibetrieb Marotzke gehört seit vielen Jahren zu den Dienstleistern der bbg Berliner Baugenossenschaft. Eine langfristige Zusammenarbeit, wie sie für unsere Genossenschaft wichtig ist: Wenn Ansprechpartner sich kennen, Abläufe eingespielt sind und offen miteinander gesprochen wird, lassen sich auch komplizierte Aufgaben besser lösen.

 

Bei Marotzke arbeiten aktuell 96 Menschen, darunter 14 Azubis, die alle den Beruf des Malers erlernen. Nachwuchs fällt schließlich nicht vom Meisterhimmel. Für Nicola Marotzke ist eine Ausbildung nicht einfach der erste Punkt im Lebenslauf. Sie kann der Beginn einer ziemlich vielseitigen Laufbahn sein.

 

 

„Wir wollen jungen Menschen eine Grundlage für ihre weitere Karriere im Malerhandwerk geben“, sagt er. Dazu gehören Weiterbildungen ebenso wie die Möglichkeit, innerhalb des Unternehmens mehr Verantwortung zu übernehmen. Aus einem Azubi kann ein Geselle, Meister, technischer Bauleiter oder sogar Prokurist werden.

 

Dass dieser Weg nicht nur theoretisch möglich ist, zeigt die Geschichte der eigenen Familie. Marotzkes Vater begann als Auszubildender, wurde Geselle, anschließend Meister und schließlich Unternehmer mit eigenem Betrieb und zwar seit 1976. „Wenn man ein Ziel hat, kann man im Handwerk alles erreichen.“

 

 

Herr Marotzke, woran erkennen Sie, ob jemand ins Team passt?

Ein gepflegtes Auftreten und eine gute Vorbereitung sind natürlich wichtig. Man merkt schnell, ob sich jemand mit dem Unternehmen beschäftigt und seine Unterlagen vollständig dabeihat. Wirklich zeigt es sich aber während eines Praktikums auf der Baustelle.
Entscheidend ist nicht nur, ob sich jemand mit mir versteht. Draußen arbeitet man als Team. Man steht früh auf, ist gemeinsam unterwegs und verbringt acht Stunden miteinander. Da muss die Truppe funktionieren.

Ihr Team ist international. Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit wichtig?

Bei uns arbeiten Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. Wichtig ist, dass sich alle im Team und mit unseren Auftraggebern gut verständigen können. Eine gemeinsame Arbeitssprache und gute Deutschkenntnisse helfen dabei, Aufgaben klar abzusprechen und Missverständnisse auf der Baustelle zu vermeiden. Bei uns zählt außerdem Fleiß. Das ist nicht altmodisch. Ganz im Gegenteil: Das Handwerk zeigt sehr konkret, was möglich ist, wenn Menschen sich einsetzen, für ihren Beruf brennen, dazulernen und ein Ziel verfolgen. Aus einer Ausbildung kann eine ganze Laufbahn entstehen.

 

KI im Büro, Menschen auf der Baustelle

Auch ein klassischer Handwerksbetrieb kommt heute nicht mehr ohne digitale Werkzeuge aus. Bei Marotzke werden Arbeitszeiten über eine eigene App erfasst. Materialien können direkt von der Baustelle über die App bestellt werden und landen anschließend dort wo es gebraucht wird.
Auch künstliche Intelligenz spielt bereits eine Rolle. Vor allem im kaufmännischen und administrativen Bereich soll sie Prozesse vereinfachen. Die Idee dahinter ist angenehm pragmatisch: Je weniger Zeit der Papierkram beansprucht, desto mehr bleibt für die Baustellen, die Mitarbeiter und die Auftraggeber.

 

Bei welchen Aufgaben kann die KI im Betriebsalltag unterstützen?

KI kann uns im Büro viel Arbeit abnehmen und Prozesse optimieren. Auf der Baustelle gibt es ebenfalls immer mehr unterstützende Geräte. Eine Wand streicht sich deshalb aber noch lange nicht von allein. Dort sind weiterhin handwerkliches Können, Kreativität, Erfahrung und menschliches Urteilsvermögen gefragt. Deshalb war und bleibt das Handwerk für mich eine Zukunftsbranche.

 

Was würden Sie jungen Menschen sagen, die über eine Ausbildung im Handwerk nachdenken?

Ich würde jedem empfehlen, sich das Handwerk ernsthaft anzuschauen. Die Welt entwickelt sich weiter, und KI wird viele Aufgaben übernehmen. Aber handwerkliche Arbeit wird weiterhin gebraucht. Gleichzeitig stehen einem viele Wege offen. Man muss nicht sein ganzes Berufsleben dasselbe machen. Wer lernen und Verantwortung übernehmen möchte, kann sich im Handwerk sehr weit entwickeln.

 

Hand aufs Farbmuster: Welche Farbe wünschen sich Berliner am häufigsten?

Ganz klassisch Weiß. Das ist unkompliziert und nach wie vor mit Abstand am beliebtesten.

 

Und was möchten Sie am liebsten nie wieder von einer Wand entfernen?

Alte Leimfarbe. Sie wurde vor vielen Jahrzehnten häufig verwendet und muss heute oft mühsam abgekratzt werden, bevor der Untergrund neu aufgebaut werden kann. Auch unter alten Tapeten wartet manchmal eine Überraschung. Wenn mehrere Schichten übereinanderliegen, arbeitet man sich Lage für Lage durch ein kleines Stück Berliner Wohnungsgeschichte.

 

Last but not least: Wenn Sie Ihrem Handwerk einen neuen Namen geben müssten, wie würde es heißen?

Macher. Ganz klar. Wir packen an und sehen am Ende des Tages, was wir geschafft haben. Das ist ja das Schöne an unserem Beruf.