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Der Schlüssel zur Genossenschaft

Entscheidungen, die direkt im Alltag landen: Ein Gespräch mit Carola Wendlandt, technische Sachbearbeiterin bei der bbg

 

140 Jahre bbg – was geht Ihnen als erstes durch den Kopf?

 

Ich bin stolz darauf, in der ältesten Genossenschaft in Berlin arbeiten zu können. Und das schon seit 17 Jahren. Karl Schrader hat mit dieser Genossenschaft etwas Großartiges geschaffen, was sowohl von uns als Mitarbeitern als auch von den Mitgliedern immer noch so gelebt wird, wie er es sich vorgestellt hat. Durch unsere Hoffeste und jährlichen Mitgliederfeste wird die Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern und auch mit den Kollegen gefördert und aufrechterhalten. So geben wir den Gedanken bereits an die nächste Generation weiter, die meistens auch bei der bbg wohnen bleibt. Die bbg war, ist und wird immer eine großartige Genossenschaft sein, die ihre ganze Energie und Arbeit in das Wohl ihrer Mitglieder und die Wirtschaftseinheiten steckt. Ich finde es toll, wie viele Mitglieder sich in ihren Wirtschaftseinheiten engagieren und füreinander da sind. Ich würde mich freuen, wenn ganz viele Mitglieder mit uns zusammen dieses tolle Fest feiern. Zudem feiere ich die sehr gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und dass wir gemeinsam alle Probleme lösen konnten und weiter lösen werden.

 

Was bedeutet „Genossenschaft“ für Sie?

 

Wir bieten verlässliche Ansprechpartner, ob im Büro oder direkt in den Wohnanlagen durch unsere Hauswarte. Somit können wir bei Fragen oder Mängeln schnell reagieren und helfen. Wir bieten auch Unterstützung in Notfällen, z. B. in Form von Umsetzwohnungen und Umzugshilfen bei Großbaumaßnahmen, und haben Gästewohnungen und Gemeinschaftsräume für gemeinsame Zeit mit den Nachbarn im Angebot. Das Wohl der Mitglieder steht für uns immer im Vordergrund. Nicht nur die bbg, sondern alle Wohnungsbaugenossenschaften sind wichtig für Berlin, da wir langfristig bezahlbaren Wohnraum in gut gepflegten Wirtschaftseinheiten anbieten, ohne die Gefahr einer Eigenbedarfskündigung.

 

Sie arbeiten im Technischen Bestandsmanagement. Welche Rolle spielt Ihre Arbeit im großen Ganzen der bbg?

 

Ich bin seit 17 Jahren bei der bbg und mein Arbeitsbereich hat sich im Laufe der Zeit an die Anforderungen der Technik und der Politik angepasst. Den Großteil der Arbeitszeit bin ich in unserer Zentrale im Lorenzweg und bin für mehrere Bereiche verantwortlich. Für besondere Projekte genieße ich es aber auch, dass ich in die Wirtschaftseinheiten fahren kann, um dort tätig zu sein. Ich bin die Ansprechpartnerin für die Bestellung von Schlüsseln und Zylindern und statte die Wirtschaftseinheiten seit nunmehr drei Jahren nach und nach mit einer digitalen Schließanlage aus. Wir gehen mit der Zeit und sind damit umweltbewusst und nachhaltig. Davon profitieren nicht nur unsere Mitglieder in finanzieller Hinsicht, sondern auch die Mitarbeiter der bbg, da diese irgendwann nur noch einen Schlüssel für alle Wirtschaftseinheiten haben werden. Ich bin unter anderem zuständig für die Kontrolle der Bürgschaften, die ich mittlerweile auch digital bearbeiten kann. Somit wird Papier, Zeit und Geld eingespart. Zudem bin ich für die Trinkwasserbeprobungen in Bezug auf Legionellen zuständig. Dann müssen auch noch die Spielplätze regelmäßig gewartet und gereinigt werden, damit auch unsere kleinsten Mitglieder das Leben in einer Genossenschaft genießen können. Die Organisation geht auch über meinen Tisch.

 

Und ich organisiere zweimal im Jahr die Firmenläufe am Brandenburger Tor und im Olympiastadion, bei dem sowohl unsere Mitglieder als auch unsere Kolleginnen und Kollegen mitlaufen können. Es ist für alle Teilnehmenden ein tolles Event und ein großartiges Erlebnis. Dafür lohnt es sich, das zu organisieren.

 

 

Und ich organisiere zweimal im Jahr die Firmenläufe am Brandenburger Tor und im Olympiastadion, bei dem sowohl unsere Mitglieder

als auch unsere Kolleginnen und Kollegen mitlaufen können. Es ist für alle Teilnehmenden ein tolles Event und ein großartiges Erlebnis. Dafür lohnt es sich, das zu organisieren.

 

Wenn Sie an die Mitglieder denken: Wann wird für Sie spürbar, was eine Genossenschaft im Alltag bedeutet?

 

Die Kolleginnen und Kollegen, sowohl in der Zentrale als auch unsere Hauswarte vor Ort, sind jederzeit zu erreichen und Ansprechpartner. Man sieht das Vertrauen zur bbg, wenn ein Mitglied auf einmal ein Kollege wird oder aber auch, wenn ein Kollege in unseren Bestand zieht. Der Kontakt zu unseren Mitgliedern ist intensiver, da es unsere eigenen Mitglieder sind. Es gibt Mitglieder, die schon ihr Leben lang bei uns wohnen. Manchmal hat man das Glück, dass man sich kurz Zeit für ein Telefonat nehmen kann und sich ihre Lebensgeschichte anhören kann. Man baut dann eine persönliche Beziehung zu ihnen auf, auch wenn man sie noch nie gesehen hat. Und wenn dieses Mitglied uns dann verlässt, merkt man, wie traurig man darüber ist.

 

Man erkennt, dass sich unsere Mitglieder bei uns wohlfühlen, wenn sie unbedingt innerhalb der bbg umziehen und uns nicht verlassen wollen. Das gibt einem das Gefühl, dass man als Genossenschaft, aber vor allem auch als Mitarbeiter, alles richtig macht.

 

Wir arbeiten für unsere eigenen Bestände und daher geben wir uns nochmal mehr Mühe, alles für unsere Mitglieder so schön und angenehm wie möglich zu machen. Wir haben einen festen Pool von Firmen, mit denen wir vertrauensvoll und teilweise schon seit mehreren Jahren sehr gut zusammenarbeiten. Wir können uns auf unsere Firmen verlassen, die im Notfall schnell helfen.

 

„140 Jahre bbg“ wird über „140 gute Taten“ erzählt. Was steckt für Sie in dieser Idee?

 

Die bbg kann nochmal geballt zeigen, was sie kann und macht und auch noch hinter den Kulissen bewegt und wo sie sich engagiert. Das bekommt man als Mitglied ja auch nicht immer so mit. Es ist auch eine Möglichkeit, für teilweise langjährige Mitglieder, den noch Neuen zu zeigen, wie man Genossenschaft lebt und wie man sich in den eigenen Wirtschaftseinheiten einbringen und engagieren kann. Sie leben das Genossenschaftliche und sind somit die Vorbilder. Durch dieses Engagement und die gemeinsamen Zeiten, sind schon viele Freundschaften entstanden. Somit wird Vertrauen aufgebaut und man hilft sich untereinander.

 

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit die bbg auch in Zukunft gut funktioniert?

 

Wir müssen weiterhin verantwortungsbewusst mit den Ressourcen und dem Vertrauen, dass die Mitglieder in uns setzen, umgehen. Dass bedeutet, dass wir gute Entscheidungen im Sinne der Mitglieder treffen müssen, damit diese sich weiterhin bei uns wohlfühlen. Die Entscheidungen müssen aber auch so gut durchdacht sein, dass die bbg noch viele Jahre existieren kann.

 

Zudem sind engagierte Mitarbeiter wichtig, um die Arbeit und die Projekte umzusetzen. Teamgeist, Mut, Entwicklung, Respekt, Vertrauen und Achtsamkeit sind die Werte, die von allen Ebenen der Mitarbeiter gelebt werden müssen, damit wir weiterhin gut und gerne zur Arbeit kommen.

 

Die bbg muss offen sein für neue Themen im Bereich der Weiterentwicklung am Arbeitsplatz, z.B. Digitalisierung, Ausstattung der Arbeitsplätze zum Wohle der Mitarbeiter und bei den Großprojekten, in Bezug auf umweltbewusstes Bauen.

 

Was wünschen Sie der bbg für die nächsten 140 Jahre?

 

Ich wünsche der bbg weiterhin glückliche und zufriedene Mitglieder. Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit viel Herzblut bei der Arbeit sind und den genossenschaftlichen Gedanken weitertragen. Dass gute Entscheidungen für die Mitarbeitenden und für die Mitglieder getroffen werden.

 

Ich wünsche mir, dass der Wohnraum in Genossenschaften weiterhin bezahlbar bleibt und der genossenschaftliche Gedanke auch an die nächsten Generationen weitergegeben wird. Es wäre gut, wenn die Politik sich mehr mit Genossenschaften in Verbindung setzen und auseinandersetzen würde, um zu sehen und zu verstehen, wie wir funktionieren und wirtschaften, um uns das Leben und Arbeiten leichter zu machen. Denn viele politische Entscheidungen sind größtenteils für Großinvestoren gemacht, die einfach nur Profit machen wollen, aber keinen bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen, den sich Jedermann leisten kann. Und darunter leiden die Genossenschaften, die ein ganzes anderes Ziel verfolgen.