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Das Herz am richtigen Fleck behalten

Im Gespräch mit Verena Thormeyer, Abteilungsleiterin Energiewende/Projekte bei der bbg Berliner Baugenossenschaft

Genossenschaft bedeutet für mich gemeinsames Handeln. Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen werden gemeinsam getragen. Und es entsteht ein anderes Verständnis von Wohnen. Ich habe mich damals bewusst für eine Genossenschaft entschie-den, weil sie nicht auf kurzfristigen Profit ausgerichtet ist. Es geht darum, dass man langfristig gut und bezahlbar wohnen kann. Die bbg im Speziellen kannte ich schon aus meinem beruflichen Umfeld. Deshalb war für mich klar: Wenn Genossenschaft, dann diese.

 

 

Im Alltag merkt man, dass unsere Genossenschaft keine Idee auf Papier ist. Es zeigt sich im Um-
gang miteinander, in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden und wie selbstverständlich der Blick auf die Gemeinschaft ist. Das prägt auch meine Arbeit. Die Themen sind vielfältig und laufen oft parallel. Es geht nicht nur um Bauprojekte oder die Energiewende. Es geht immer um die Mitglieder. Was bedeutet eine Maßnahme konkret für den Alltag? Wie stark greifen wir in die Wohnung ein? Wie begleiten wir diesen Prozess so, dass er für die Menschen gut umsetzbar bleibt?

 

Gerade bei Baumaßnahmen entstehen viele Fragen. Wie organisiere ich das? Was passiert mit
meinen Sachen? Muss ich meine Wohnung verlassen? Für solche Situationen braucht es Lösungen, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch menschlich passen. Ausweichwohnungen, klare Kommunikation und individuelle Abstimmungen gehören deshalb selbstverständlich dazu. Manchmal eröffnen sich daraus auch neue Perspektiven auf andere Wohnformen. Wichtig ist, sensibel mit diesen Themen umzugehen.

Gerade Wohnungsbaugenossenschaften stehen vor enormen Aufgaben. Sie wollen investieren und sie müssen investieren. Gleichzeitig stoßen sie an klare Grenzen. Technische Standards, Klimavorgaben und gesetzliche Sanierungspflichten sind extrem kostenintensiv. Mehr als die Hälfte des Bestands stammt aus der Zeit vor 1930. Diese Gebäude müssen modernisiert werden und das verursacht hohe Kosten.

 

Die Energiewende begegnet mir dabei ganz konkret in laufenden Projekten. Wir schauen, wie wir Schritt für Schritt weg vom Gas kommen und alternative Lösungen für Wärme und Warmwasser entwickeln. Dabei ist wichtig zu betonen, dass es keine allgemeingültige Lösung für alles gibt. Jede Wohnanlage bringt ihre eigenen Voraussetzungen mit, auf die man individuell eingehen muss. Fernwärme ist nicht überall verfügbar, die Stromkapazitäten sind unterschiedlich. Deshalb prüfen wir jedes Objekt einzeln und suchen nach Lösungen, die technisch sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sind.

 

Wenn ich durch eine Wohnanlage gehe, laufen diese Überlegungen automatisch mit. Details spielen eine große Rolle. Oft entscheidet ein einzelner Aspekt darüber, ob ein Ansatz funktioniert oder neu gedacht werden muss. Diese Genauigkeit ist wichtig, gerade bei komplexen Themen.

 

Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt sich genau dort, wo Lösungen funktionieren und für die Mit-
glieder tragfähig sind. Wenn Gebäude zukunftsfähig werden und gleichzeitig der Alltag für die Menschen im Blick bleibt.

 

140 Jahre bbg bedeuten für mich vor allem Respekt. Eine so lange Geschichte zeigt, dass hier Verantwortung übernommen wurde und weiterhin übernommen wird. Gleichzeitig sehe ich, dass sich die bbg immer wieder weiterentwickelt, neue Themen aufgreift und offen für Veränderungen bleibt.

 

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass genau das erhalten bleibt. Dass wir uns realistische Ziele setzen und auch akzeptieren, dass nicht jeder Schritt sofort gelingt. Manchmal geht es in Etappen voran. Entscheidend ist, dass wir dranbleiben und unsere Haltung bewahren. Dass wir miteinander Lösungen finden, auch wenn etwas mal nicht auf Anhieb funktioniert. Diese Kultur macht für mich die bbg aus.