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Energie, die ankommt: Matthias Trunk über Energie und gute Taten in Berlin

Was bedeutet eine gute Tat in einer Stadt wie Berlin und welche Rolle können Unternehmen dabei spielen? Matthias Trunk, Mitglied des Vorstandes der GASAG AG und Gutschafter unserer Initiative „140 Jahre bbg. 140 gute Taten.“, spricht über Verantwortung im Alltag, über Engagement im Quartier und darüber, wie aus Wärme mehr wird als Energie.

 

Herr Trunk, was verbinden Sie persönlich mit dem Begriff „gute Tat“ im Kontext einer Großstadt wie Berlin? 

 

Eine gute Tat kann eine kleine Geste sein. Gerade in einer schnelllebigen, oft anonymen Stadt wie Berlin können ein Lächeln oder ein freundliches Wort viel bewirken. Aber auch das Engagement für eine Idee, die über eigene Partikularinteressen hinausgeht, stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Eine gute Tat zu vollbringen, bedeutet Verantwortung zu übernehmen und Menschen zu unterstützen, die weniger haben. Deshalb spendet die GASAG regelmäßig an die Berliner Stadtmission. Und wir leisten auch als Unternehmen eine gute Tat, wenn wir eine sozialverträgliche Wärmewende ermöglichen: Mit der Dekarbonisierung gestalten wir die Stadt lebenswerter – für heutige und kommende Generationen.

 

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Zusammenspiel von Wohnen, Energieversorgung und Klimaschutz?

 

Die größte Herausforderung ist die Transformation der Wärmenetze. Die Kommunale Wärmeplanung wird zeigen, welche Gebiete zentral oder dezentral versorgt werden können. Klar ist: Viele Immobilienbesitzerinnen und -besitzer werden Alternativen zur klassischen Fernwärme benötigen. Zugleich soll Berlin bis 2045 klimaneutral werden. Besonders anspruchsvoll sind dabei Bestandsbauten: Sie stellen den Großteil des Wohnungsbestands, lassen sich aber nicht immer sanieren oder technisch umrüsten und bei all den Maßnahmen muss Wohnen für alle bezahlbar bleiben. Deshalb setzen wir auf innovative Lösungen wie die Nutzung von Abwärme, um Bestandsbauten dezentral und vergleichsweise kostenschonend zu versorgen.

 

GASAG arbeitet seit Jahren an Lösungen für eine energieeffizientere Stadt. Welche Entwicklungen halten Sie für besonders relevant für Wohnanlagen und Genossenschaften?

Die Kommunale Wärmeplanung zeigt, welche Gebiete nicht an die Verbundfernwärme angeschlossen werden können. Dort brauchen wir andere Lösungen. Ein zentrales Element sind Quartierslösungen mit Wärmepumpen, die auch im Contracting betrieben werden können. In Kombination mit Photovoltaik und Solarthermie sind sehr hohe Autarkiegrade möglich. Gleichzeitig gewinnt die Nutzung von Abwärme an Bedeutung: aus Abwasser, Industrie und vor allem aus Rechenzentren. Berlin ist hier nach Frankfurt ein führender Standort. Unser Projekt im Marienpark zeigt das Potenzial: Bis zu 60 Megawatt Rechenzentrumswärme, genug für rund 9.000 Haushalte – auch für Gebäude der bbg.

Eine weitere wichtige Quelle ist Geothermie. Insbesondere die tiefe Geothermie hat das Potenzial ganze Stadtteile zu versorgen. Berlin startet deshalb seismische Erkundungen im Rahmen der „Roadmap Tiefe Geothermie“ – bei entsprechendem Potenzial könnten künftig nicht nur einzelne Quartiere, sondern ganze Bezirke geothermisch versorgt werden.

 

Welche Rolle spielt für Sie der soziale Zusammenhalt in Quartieren, wenn über Energie und Nachhaltigkeit gesprochen wird?

 

Die Wärmewende gelingt nur, wenn wir alle mitnehmen. Akzeptanz ist der Schlüssel. Dafür brauchen wir niedrigschwellige Beratungsangebote, Formate, die die Nachbarschaft zusammenbringen, und eine klare Botschaft: Energie ist ein kostbares Gut. Sozialer Zusammenhalt heißt, unterschiedliche Lebenssituationen zu berücksichtigen und allen die Teilhabe an der Wärmetransformation zu ermöglichen.

 

Gibt es Projekte oder Beispiele aus Ihrer Arbeit, die zeigen, wie technische Innovation und sozialer Nutzen im Quartier zusammenfallen können?

 

Ein gutes Beispiel ist das Pallasseum. Das denkmalgeschützte Wohnhaus aus den 1970er-Jahren hat einen hohen Energiebedarf und eine Fassadendämmung ist ausgeschlossen. In direkter Nachbarschaft befindet sich jedoch ein Rechenzentrum, dessen Abwärme rund 65 Prozent des Wärmebedarfs decken kann. Über eine etwa 140 Meter lange Trasse wird die Abwärme zum Gebäude geführt, in einer Energiezentrale aufbereitet und anschließend an knapp 500 Haushalte verteilt. So entsteht eine Win-win-Situation: Das Wohnhaus wird gemäß Gebäudeenergiegesetz dekarbonisiert und die bisher ungenutzte Abwärme des Rechenzentrums sinnvoll genutzt. Ab 2026 verpflichtet das Energieeffizienzgesetz neue Rechenzentren zur Nutzung von mindestens 10 Prozent ihrer Abwärme. Das Pallasseum nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und ist eines der ersten Bestandsprojekte, in dem Rechenzentrumsabwärme dauerhaft in die Versorgung eines kompletten Wohnkomplexes integriert wird.

 

Wie können Partnerschaften zwischen Unternehmen wie GASAG und einer Genossenschaft wie bbg Ihrer Meinung nach Wirkung entfalten?

 

Solche Partnerschaften wirken dann stark, wenn die Zusammenarbeit auf Augenhöhe beruht. Die bbg kennt die Bedürfnisse ihrer Mieterschaft sehr genau, wir bringen energiewirtschaftliche Expertise, Wissen zu Förderprogrammen und Erfahrung in der Umsetzung komplexer Energieprojekte ein. So entstehen Energiekonzepte, die bedarfsgerecht, sozial verträglich und langfristig tragfähig sind. Unsere langjährige Energiepartnerschaft bei Gas und Strom zeigt, dass dieses